Fremdbestimmt. Sicher?

Fühlst du dich manchmal fremdbestimmt? Getrieben von Aufgaben, Terminen und Erwartungen, die von außen auf dich einprasseln? Lange ist es mir so gegangen. Ich wusste, dass ich so nicht weiter machen kann. Ich wollte endlich wieder selbst entscheiden, den Druck los werden und frei sein.

Entscheidungen aus Vernunft

Ich habe mit 14 Jahren in die Hotelfachschule gewechselt. Nicht, weil es mein Herzenswunsch war, sondern weil ich nur wusste, was ich nicht will: nämlich Arzt werden, wie mein Papa. Also habe ich mich für das entschieden, was vernünftig war – eine Schule, die mir viele Möglichkeiten offenhält.

Das erste Pflichtpraktikum führte mich dann an den Flughafen. Ich habe, wie immer, vollen Einsatz gezeigt, war engagiert und motiviert. Und weil das gesehen wurde, bekam ich das Angebot, wiederzukommen. Natürlich habe ich Ja gesagt!
Ein Jahr später, beim nächsten Praktikum, das gleiche Spiel. Und weil ich vier Monate Ferien hatte, habe ich auch den vierten Monat wieder am Flughafen gearbeitet.

Meine Leistung, mein Engagement, meine Begeisterung wurden gesehen – und ich bekam das nächste Angebot: während des Schuljahres geringfügig weiterzuarbeiten. Ich war unheimlich stolz, vor allem, als ich das meinen Eltern erzählen konnte.

Als das Ende der Schulzeit näher rückte, habe ich meinen damaligen Chef gefragt, was ich tun muss, um am Flughafen fix arbeiten zu können. Die Antwort war klar: BWL studieren.
Ok, BWL hatte ich schon in der Schule – das war mir zu trocken. Aber eine Freundin erzählte mir von IBWL. Das klang damals für mich spannender. Also habe ich inskribiert und im Herbst gestartet.

Während des Studiums wurde mir der Job als Contract Managerin angeboten: erstmal 20 Stunden pro Woche, mit der Aussicht auf eine fixe Anstellung. Die Bedingung, mein Studium in 18 Monaten abzuschließen. Wieder war ich stolz, das meinem Umfeld erzählen zu können.

Ich habe immer direkt deutlich mehr als 20 Stunden gearbeitet, nebenbei studiert und schließlich in den Sommerferien meine Diplomarbeit geschrieben. Ich erinnere mich noch gut daran, wie lange meine Kolleginnen überlegt haben, bei welchem Professor und welches Thema! Für mich gings nur darum, wo kann ich es in der kürzest möglichen Zeit erledigen! Der Studienabschluss war für mein Umfeld ein absolutes Highlight. Ich wurde gefeiert und überall wurde stolz davon erzählt. Für mich war es nichts besonders. Es war ein ToDo auf meiner Liste. Ein Punkt, den ich abhaken musste, um die Fixanstellung zu bekommen. Es ist mir nie um den Titel gegangen – der war einfach Mittel zum Zweck 😉.

Der Preis des Erfolgs

Ich war jetzt also Contract Managerin – Vollzeit. Und ich habe so weitergemacht, wie immer:  Ich habe mich reingehängt, wollte alles verstehen, habe mich angestrengt, um zu zeigen, dass ich es kann. Ich wollte gut sein. Besser sein. Expertin sein.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie stolz ich war, als ich mein erstes Firmenhandy und den ersten Firmenlaptop bekommen habe. Für mich war das das Zeichen: Man sieht, was ich leiste. Man erkennt meinen Einsatz.

Kennst du das Sprichwort: „Wer viel leistet, wer viel Einsatz zeigt, der wird belohnt.“

Und die Belohnung kam, in Form einer Führungsposition. Von null auf 150 Mitarbeiter. Und in mir sofort wieder dieser Gedanke: Wow, was mir mein Chef zutraut, dann bin ich wohl wirklich gut. Dann schaffe ich das auch! Also habe ich mich reingehängt, habe von mir selbst erwartet, mich so schnell wie möglich in die neuen Aufgaben einzuarbeiten. Habe mir vorgenommen, alles zu lernen, alles zu verstehen, mich voll reinzuwerfen – so, wie man das eben macht. Ich wollte beweisen, dass ich das kann. Dass ich die richtige Wahl bin.

Mehr Verantwortung, immer weniger ich

Zwei Jahre später habe ich mich für die Abteilungsleitung beworben. Ein umfangreiches Auswahlverfahren, viele Bewerber – und ich habe es geschafft. Wieder war da dieses Gefühl von Stolz, von „ich habe es geschafft“, von gesehen und anerkannt werden.

Aber das hat auch bedeutet: Noch mehr Verantwortung. Noch mehr Einsatz. Noch mehr Nächte, die ich vor meinem Laptop verbracht habe. Noch mehr Wochenenden, an denen ich gearbeitet habe. Weil ich wieder zeigen wollte, dass ich es kann. Dass ich gut bin. Dass ich das schaffe.

Über 360 Mitarbeiter. Über 30 Millionen Umsatz. Ein eigenes „Chef-Büro“, eine persönliche Assistentin, Firmenauto, eine vielversprechende Visitenkarte und jede Menge Verantwortung.

Und ja, ich war stolz. Ja, ich habe wieder Bewunderung und Anerkennung bekommen, für das was ich erreicht habe, für meinen Erfolg. Aber in mir hat es sich nicht so angefühlt. Ich habe mich nicht erfolgreich und erfüllt gefühlt. Dann kam das nächste Angebot: auf den internationalen Konferenzen, an denen ich teilgenommen habe, selbst auch Vorträge zu halten. Und ich weiß noch genau, wie in mir sofort ein klares NEIN aufgetaucht ist. Das war so gar nicht meins. Aber: Es war gut für den VIE, hat mein Chef gesagt. Und es brachte wieder Anerkennung, Bewunderung, Ansehen – von meiner Familie, von meinem Chef, von den Konferenzteilnehmern, vom ganzen Umfeld.

Selbstbestimmung. Eine Entscheidung.

Warum ich dir das so erzähle? Weil ich erst viel später verstanden habe, was da eigentlich wirklich abgelaufen ist 😉.

Ich wollte immer selbstbestimmt sein. Ich wollte für mich entscheiden können, das tun, was mir taugt und guttut.

ABER – ich habe nicht danach entschieden ☹. Nicht bewusst, sondern ganz unbewusst. Automatisch. Getrieben von den Geschichten, die ich mir selbst immer wieder erzählt habe. Ich habe danach entschieden, was vernünftig war, was von mir erwartet wurde, was Erfolg versprochen hat, was mir Anerkennung, Bewunderung und Ansehen gebracht hat.

Und genau das möchte ich dir heute mitgeben: Wir treffen zu jeder Zeit Entscheidungen. Auch, wenn es sich so anfühlt, als haben keine Wahl. Auch dann, wenn wir glauben, es sind die Umstände, das Umfeld, der Job, die Situation.

Selbstbestimmt zu sein, bedeutet bewusste Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und aus dem Autopiloten auszusteigen.

 Und dann klappt es auch mit EINFACH BESSER LEBEN.

Selbstbestimmt zu leben hat nichts mit dem Außen zu tun. Es ist eine Entscheidung ins uns: Verantwortung zu Übernehmen und zu wählen, was uns wirklich guttut.